Autor: MC-Music

  • Die Sängerin war da. Wir hatten nur den falschen Reiter geöffnet.

    Die Sängerin war da. Wir hatten nur den falschen Reiter geöffnet.

    Vier Bossa-Versionen ohne den geschriebenen Text, eine vorschnelle Diagnose und schließlich die Erkenntnis, dass nicht Suno, sondern unser Versuchsaufbau falsch lag. Test 5 wurde zum vielleicht ehrlichsten Casting unseres virtuellen Jazzstudios.

    Vom gescheiterten Walzer zum Bossa Nova

    Test 4 hatte eine überraschend präzise Erkenntnis geliefert: Suno v5.5 konnte einen ausdrücklich bestellten Jazz-Walzer in keiner von vier Versionen zuverlässig im 3/4-Takt umsetzen. Gleichzeitig erzeugte das Modell durchaus unterschiedliche und musikalisch überzeugende Rhythmen – vom klassischen Swing bis zu Bossa-Nova-artigen Grooves.

    Suno war also nicht rhythmisch ideenlos. Es hielt sich nur nicht an den verlangten Walzertakt.

    Daraus entstand die Leitfrage für Test 5:

    Kann Suno Bossa Nova als benannte Groove-Welt gezielt und reproduzierbar erzeugen, obwohl es eine abstrakte Taktvorgabe wie 3/4 nicht zuverlässig umsetzt?

    Der neue Song erhielt den Titel „Between the Lights“. Geplant war ein intimer moderner Vocal-Bossa: warme weibliche Altstimme, synkopierte Nylongitarre, Kontrabass, Cross-Stick, Brushes, dezenter Shaker, sparsames Piano und ein lyrisches Tenorsaxofon.

    Kein Samba, kein Latin Pop, kein Lounge-Jazz und ausdrücklich keine Fahrstuhlmusik.

    Der geplante Versuchsaufbau

    Die Partitur sah folgende große Abschnitte vor:

    • acht Takte instrumentales Intro,
    • zwei kurze Vocal-Teile,
    • instrumentaler Übergang,
    • ein 16-taktiges Saxofonsolo,
    • Bridge,
    • Rückkehr zum Vocal-Thema,
    • acht Takte Outro mit klarem Ende.

    Innerhalb dieser Blöcke sollte das Saxofon jeweils nur zwischen den gesungenen Zeilen antworten. Die Gitarre sollte den Bossa-Groove durchgehend tragen, das Piano dagegen sparsam bleiben.

    Wie in den vorherigen Tests blieben die Parameter unverändert:

    Parameter Einstellung
    Modell Suno v5.5
    Weirdness 50 %
    Style Influence 50 %
    Ziel ungefähr 3 Minuten
    Testumfang vier Versionen aus zwei Generierungsläufen

    Dann startete die erste Runde.

    Bossa funktioniert – aber wo ist die Sängerin?

    Die ersten beiden Versionen klangen klar nach Bossa Nova. Der Groove saß, die Akustikgitarre funktionierte und die Stücke lagen fast genau bei drei Minuten.

    Nur Gesang gab es nicht.

    Auch die zweite Generierungsrunde verwendete den geschriebenen Text nicht. V3 und V4 ergänzten immerhin einen Doo-Wop-artigen Backgroundchor. Musikalisch ganz charmant – aber nicht im Sinne des Erfinders.

    Die erste Arbeitshypothese lag nahe: Vielleicht war die Regiepartitur im Songtextfeld zu komplex. Möglicherweise überlagerten die vielen geklammerten Instrumentalanweisungen den eigentlichen Text. Wir formulierten bereits die Idee eines vereinfachten Nachtests mit deutlich weniger Regie.

    Dann fiel auf, dass Suno im Bereich „Songtext“ zwei unterschiedliche Eingabemöglichkeiten anbietet.

    Und die gesamte Diagnose änderte sich.

    Suno, wir müssen uns entschuldigen

    Die vollständige Partitur war im Reiter „Prompt“ eingegeben worden. Dieser Bereich dient dazu, die Erzeugung eines Songtextes zu beschreiben. Der tatsächlich zu singende eigene Text gehört dagegen in den Reiter „Schreiben“.

    Suno beschreibt „Write with Suno“ entsprechend als Möglichkeit, eine Beschreibung für einen zu generierenden Songtext einzugeben. Eigene Lyrics sollen direkt in das dafür vorgesehene Lyrics-Feld eingefügt werden. Suno zu „Write with Suno“ · Suno zu eigenen Lyrics

    Interessant ist die Benutzeroberfläche trotzdem: Wechselt man in den Reiter „Schreiben“, bleibt der Inhalt im Prompt-Reiter sichtbar gespeichert. Unsere Tests sprechen sehr stark dafür, dass für die Musikerzeugung nur der jeweils aktive Modus berücksichtigt wird. Offiziell dokumentiert ist diese technische Priorisierung jedoch nicht eindeutig.

    Damit waren die ersten vier Versionen kein gültiger Test für die Frage, ob Suno umfangreiche Regieanweisungen und einen eigenen Songtext gleichzeitig verarbeiten kann.

    Sie blieben aber ein gültiger Bossa-Vortest:

    • vier klare Bossa-Grooves,
    • vier vollständige Drei-Minuten-Formen,
    • interessante Instrumentalarrangements,
    • zwei unerwartete Doo-Wop-Chöre.

    Nur die Sängerin war nicht ausgefallen. Wir hatten ihr schlicht nicht den richtigen Text gegeben.

    Zweiter Versuch – diesmal im richtigen Feld

    Der vereinfachte Nachtest wurde verworfen. Stattdessen kam die unveränderte vollständige Partitur in den Reiter „Schreiben“.

    Nun erschienen Text und Gesang in allen vier Versionen. Auch die Laufzeiten blieben bemerkenswert stabil:

    Version Laufzeit Besonderheit
    Neue V1 2:59,76 erste gültige Vocal-Bossa-Fassung
    Neue V2 2:59,88 schönes Duett
    Neue V3 2:59,71 abwechslungsreichste Fassung, starke Gitarre, Saxofondialog, Einzelsoli und Doo-Wop-Finale
    Neue V4 2:59,83 entwickeltes Duett mit abwechselnden und gemeinsamen Passagen
    Durchschnitt 2:59,80

    Damit war die zentrale Groove-Frage klar beantwortet:

    Suno kann Bossa Nova als benannte rhythmische und stilistische Welt zuverlässig reproduzieren.

    Der Kontrast zu Test 4 ist deutlich:

    Vorgabe Ergebnis
    Jazz-Walzer im strengen 3/4-Takt 0 von 4
    Bossa Nova als benannter Groove 4 von 4

    Suno versteht offenbar stilistische Groove-Konzepte besser als abstrakte metrische Anweisungen.

    Musiker machen eben, was sie wollen

    Mit dem Text im richtigen Feld funktionierten auch die großen Regieblöcke zuverlässig: Gesangsteile, instrumentale Übergänge, Soloräume und die Rückkehr zum Vocal-Thema waren klar erkennbar.

    Die kleinteilige Regie blieb dagegen frei interpretierbar.

    Bestellt war beispielsweise eine einzelne weibliche Altstimme. Mehrere Versionen entwickelten daraus ein Duett. In V4 wechselten sich die Stimmen nicht nur ab, sondern sangen einzelne Passagen gemeinsam. Das Saxofon antwortete nicht immer exakt an den vorgesehenen Stellen. Manche Instrumente nahmen sich mehr Raum, andere weniger. V3 integrierte sogar erneut einen Doo-Wop-Chor – diesmal passend in das Finale eingebaut.

    Die zentrale Studioerkenntnis lautet deshalb:

    Suno versteht die großen Vereinbarungen einer Session. Innerhalb dieser Vereinbarungen interpretieren die virtuellen Musiker ihre Rollen selbst.

    Oder kürzer:

    Musiker machen eben, was sie wollen.

    Das ist nicht nur ein lustiger Satz. Für unseren späteren Workflow ist es eine wichtige Architekturentscheidung.

    Verbindlich beschreiben sollten wir:

    • Genre und Groove,
    • Grundstimmung,
    • Besetzung,
    • große Songabschnitte,
    • zentrale Soloräume,
    • gewünschte Gesamtdramaturgie.

    Als kreativen Freiraum behandeln sollten wir:

    • exakte Antwortphrase nach einer bestimmten Zeile,
    • punktgenaue Instrumenteneinsätze,
    • zusätzliche Stimmen,
    • kleine Breaks,
    • Instrumentenwechsel,
    • überraschende Schlussideen.

    Wir schreiben also den Sessionplan – aber nicht jede Note.

    Hörbeispiel 2 – V3: Die Musiker übernehmen

    Hörfrage: Ist das Doo-Wop-Finale eine unerwünschte Abweichung oder ein musikalischer Gewinn?

    V3 ist die stärkste Fassung des Castings. Sie erfüllt die große musikalische Idee und besitzt gleichzeitig die größte Abwechslung:

    • klarer Bossa-Groove,
    • starke Akustikgitarre,
    • lebendiger Dialog mit dem Saxofon,
    • unterschiedliche Instrumentalsoli,
    • Duettstruktur,
    • ein unerwartetes, aber schlüssig eingebautes Doo-Wop-Finale.

    V4 ist die stärkste Alternative aus Sicht der Vocal-Entwicklung. Das Duett wächst über einfaches Call-and-Response hinaus und findet stellenweise zu gemeinsam gesungenen Passagen.

    Beide Fassungen zeigen, dass Prompttreue und musikalische Qualität nicht dasselbe sind.

    Ergebnis: Test bestanden – nach Korrektur des Menschen

    Prüffrage Ergebnis
    Bossa-Nova-Groove reproduzierbar Bestanden – 4 von 4
    Drei-Minuten-Form Bestanden – 4 von 4
    Eigene Lyrics und Gesang Nach korrekter Eingabe bestanden – 4 von 4
    Große Formblöcke Überwiegend bestanden
    Kleinteilige Regie Nur teilweise umgesetzt
    Einzelne weibliche Leadstimme Nicht zuverlässig – mehrfach zum Duett erweitert
    Musikalische Qualität der Abweichungen Hoch

    Der wichtigste Lernpunkt dieses Tests betrifft deshalb nicht nur Suno:

    Wenn ein KI-System eine Aufgabe scheinbar nicht erfüllt, muss auch der menschliche Versuchsaufbau überprüft werden.

    Kreative Zusammenarbeit bedeutet nicht, jeden Fehler reflexartig der KI zuzuschreiben. Sie bedeutet auch, eigene Annahmen zu korrigieren, Ergebnisse neu zu bewerten und den Test sauber zu wiederholen.

    Suno konnte den Text verarbeiten. Wir mussten ihn nur in das richtige Feld schreiben.

    Und dann machten die Musiker trotzdem wieder, was sie wollten.

  • Drei Schritte – aber kein Walzer

    Drei Schritte – aber kein Walzer

    Vier instrumentale Jazzstücke, vier präzise Drei-Minuten-Formen, klare Saxofon- und Piano-Soli – und kein einziger Jazz-Walzer. Warum ein nicht bestandener Test unser virtuelles Studio trotzdem entscheidend weiterbringt.

    Warum wir nach dem Blues plötzlich zählen wollten

    Für das zweite Album von Friday Morning Music testen wir derzeit systematisch, welche Rollen Suno v5.5 in einem neuen virtuellen Jazzstudio übernehmen kann. Die bisherigen Castings hatten bereits einiges gezeigt:

    • lyrische instrumentale Jazzballaden funktionieren,
    • kurze Lyrics können durch eine ausführliche musikalische Regie zu vollständigen Songs werden,
    • längere Improvisationsphasen sind möglich,
    • Stimme und Instrumente können miteinander in einen echten Dialog treten,
    • und manchmal spielt ein Instrument ungefragt mit – musikalisch durchaus zum Vorteil des Songs.

    Nach Jazzballade, Medium Swing und Blues sollte Test 4 erstmals weniger die Atmosphäre und stärker die rhythmische Präzision untersuchen.

    Die Frage klang zunächst einfach:

    Kann Suno einen modernen instrumentalen Jazz-Walzer konsequent im 3/4-Takt halten?

    Für uns war das keine rein akademische Übung. Bei früheren Versuchen mit Ballroom-Musik hatte Suno genaue rhythmische Vorgaben nicht zuverlässig umgesetzt. Ein Jazz-Walzer verbindet deshalb zwei interessante Anforderungen: Er lässt viel Freiheit für Improvisation, besitzt aber gleichzeitig ein eindeutig überprüfbares metrisches Fundament.

    Der Arbeitstitel lautete: „Three Steps into Morning“.

    Die Versuchsanordnung

    Der Prompt ließ eigentlich wenig Interpretationsspielraum. Gefordert waren:

    • ein strenger und klar hörbarer 3/4-Takt,
    • ungefähr 132 BPM,
    • ein durchgängiger Puls von EINS–zwei–drei,
    • kein Wechsel in 4/4 oder 6/8,
    • Tenorsaxofon, Flügel, Kontrabass und Brushes,
    • ein wiederkehrendes viertöniges Motiv,
    • je ein eigener 32-taktiger Solo-Chorus für Saxofon und Piano,
    • eine anschließende Ensemble-Unterhaltung,
    • Rückkehr zum Hauptthema,
    • eine vollständige Drei-Minuten-Form mit klarer Schlusskadenz.

    Die instrumentale Regiepartitur stand diesmal im Songtextfeld. Der separate Instrumental-Schalter blieb deaktiviert, weil Suno sonst kein Feld für die ausführlichen Formanweisungen bereitgestellt hätte. Gesang wurde deshalb dreifach ausgeschlossen: in der Partitur, im Style-Prompt und im Exclude-Feld.

    Die übrigen Parameter blieben wie in den vorherigen Tests unverändert:

    Parameter Einstellung
    Modell Suno v5.5
    Weirdness 50 %
    Style Influence 50 %
    Ziel ungefähr 3 Minuten
    Anzahl vier Versionen aus zwei Generierungsläufen

    Überraschung Nummer eins: Instrumental funktioniert

    Vor dem eigentlichen Walzertest gab es zunächst eine offene technische Frage: Würde Suno die Regieanweisungen als Produktionshinweise verstehen – oder einzelne Anweisungen singen und sogar einen eigenen Text erfinden?

    Das Ergebnis war eindeutig positiv. Alle vier Versionen blieben vollständig instrumental. Keine Regieanweisung wurde gesungen, keine Stimme summte und Suno erfand keine Lyrics.

    Auch die Form wurde bemerkenswert präzise getroffen:

    Version Laufzeit
    V1 2:58,01
    V2 2:58,68
    V3 2:59,50
    V4 2:59,76
    Durchschnitt 2:58,99

    In allen vier Fassungen sind sowohl ein Saxofon- als auch ein Piano-Solo klar erkennbar. Die Soli besitzen unterschiedliche Charaktere, die Dramaturgie entwickelt sich und das Ensemble klingt wie eine satte moderne Jazzbesetzung.

    Suno hatte die Regiepartitur also keineswegs ignoriert.

    Nur Walzer spielte es nicht.

    Vier Versuche, kein Dreivierteltakt

    Schon V1 war eindeutig kein Jazz-Walzer. V2 bestätigte das Ergebnis im selben Generierungslauf. V3 und V4 entstanden anschließend in einem zweiten Lauf mit identischem Prompt und unveränderten Parametern.

    Auch sie blieben außerhalb eines durchgehenden 3/4-Takts.

    V4 näherte sich der Vorgabe zumindest kurz an. Eine synkopierte Sequenz am Anfang erzeugt eine gewisse Dreier-Anmutung. Danach setzt sich jedoch kein stabiler Walzerpuls durch. Das Stück klingt stellenweise so, als hätte Suno verstanden, welche Oberfläche mit „Jazz Waltz“ gemeint sein könnte – ohne daraus ein verbindliches metrisches Gerüst zu machen.

    Prüfkriterium Ergebnis
    Rein instrumental 4 von 4 bestanden
    Keine erfundenen Lyrics 4 von 4 bestanden
    Ungefähr drei Minuten 4 von 4 bestanden
    Klare Saxofon- und Piano-Soli 4 von 4 bestanden
    Unterschiedliche Soloentwicklung Bestanden
    Durchgehender 3/4-Takt 0 von 4 bestanden
    Erkennbarer Jazz-Walzer 0 von 4 bestanden

    Das Gesamturteil ist deshalb klar:

    Test 4 wurde in seiner zentralen Anforderung nicht bestanden. Eine mehrfach wiederholte textliche 3/4-Vorgabe reicht bei Suno v5.5 nicht aus, um zuverlässig einen Jazz-Walzer zu erzeugen.

    Hörlabor: Wenn ein gescheiterter Test gut klingt

    Ein technisch nicht bestandener Test muss musikalisch nicht wertlos sein. Im Gegenteil: V3 entwickelte sich beim Hören zum klaren Favoriten.

    Hörbeispiel 1 – V3: Der musikalische Testsieger

    V3 überzeugt mit schönen Wechseln innerhalb der Soli, einem überraschenden Drum-Break und einem vollen, lebendigen Jazzklang. Als Jazz-Walzer fällt die Version durch. Als modernes instrumentales Jazzstück könnte sie trotzdem interessant für das Album sein.

    Hörfrage: Darf ein Song weiterkommen, obwohl er die eigentliche Testaufgabe nicht erfüllt hat?

    Was Suno versteht – und was nicht

    Der Test zeigt eine auffällige Form selektiver Steuerbarkeit.

    Suno versteht offenbar sehr gut:

    • ob ein Stück instrumental sein soll,
    • welche Instrumente beteiligt sind,
    • wann Saxofon oder Piano solieren,
    • wie lange ein Stück ungefähr dauern soll,
    • wie sich Dynamik und Dramaturgie entwickeln sollen.

    Deutlich schwieriger scheint dagegen eine musikalische Grundbedingung zu sein, die alle Beteiligten gleichzeitig und während des gesamten Stücks einhalten müssen: das Metrum.

    Dabei wäre es falsch, Suno grundsätzlich mangelndes Rhythmusgefühl zu bescheinigen. Die vier Versionen sind rhythmisch keineswegs gleichförmig. Sie bewegen sich zwischen klassischem Swing, geraderen modernen Jazzgrooves und teilweise sogar Bossa-Nova-artigen Anmutungen. Suno kann also unterschiedliche rhythmische Charaktere erzeugen und musikalisch überzeugend variieren.

    Das Problem ist präziser: Suno findet durchaus eigene Grooves, hält sich aber nicht zuverlässig an den konkret bestellten Dreivierteltakt. Es unterscheidet offenbar besser zwischen stilistischen Rhythmuswelten wie Swing oder Bossa Nova als zwischen einer frei interpretierten Groove-Idee und einer verbindlichen metrischen Vorgabe.

    Gerade diese Beobachtung macht den Test besonders interessant. Das Modell reagiert kreativ auf den Wunsch nach rhythmischer Bewegung – nur nicht gehorsam genug auf die mathematische Struktur „drei Schläge pro Takt“.

    Vereinfacht gesagt:

    Suno kann gut entscheiden, wer wann spielt und welchen Groove die Band entwickelt. Weniger zuverlässig ist, in welchem Takt alle gemeinsam spielen sollen.

    Ein weiterer Versuch mit lediglich noch mehr Text zum 3/4-Takt erscheint wenig sinnvoll. Die Vorgabe stand bereits positiv und negativ im Style-Prompt, in der Regiepartitur und im Exclude-Feld. Vier Versionen aus zwei Generierungsläufen verfehlten sie trotzdem.

    Vom Prompt-Studio zum musikalischen Studio

    Der nächste sinnvolle Schritt wäre deshalb kein neuer Wortlaut, sondern eine neue Art der Zusammenarbeit.

    Bisher bestand unser Studio im Wesentlichen aus Gesprächen, Rollen, Entscheidungen und Prompts. Für metrisch präzise Musik könnte künftig ein zusätzlicher musikalischer Baustein notwendig sein: eine kurze Audiovorlage.

    Die Idee:

    Kreative Idee
    → Arrangement und Prompt
    → eindeutiger 3/4-Loop aus Piano, Bass und Brushes
    → Suno übernimmt Klang, Puls und Metrum
    → Solisten und Dramaturgie entwickeln sich darauf

    Ein solcher Loop könnte acht oder sechzehn Takte umfassen. Er müsste noch kein fertiger Song sein. Seine Aufgabe wäre lediglich, das metrische Fundament hörbar und unverhandelbar vorzugeben.

    Damit würde unser virtuelles Studio erstmals nicht nur mit Sprache arbeiten. Es gäbe der KI auch tatsächliches musikalisches Material – vergleichbar mit einer Band, die nicht nur hört „Spielt einen Jazz-Walzer“, sondern von der Rhythmusgruppe einen konkreten Groove vorgezählt bekommt.

    Ob Suno diesen 3/4-Loop zuverlässig fortführen kann, wissen wir noch nicht. Das wäre ein eigener Nachtest. Die Audiovorlage ist deshalb keine bestätigte Lösung, sondern die nächste überprüfbare Hypothese.

    Konsequenz für den späteren Workflow

    Für das Zielbild unseres Jazzstudios entsteht damit möglicherweise eine neue Rolle:

    Rhythm Section Designer

    Dieser Spezialist würde nicht nur beschreiben, wie ein Rhythmus klingen soll. Er könnte bei metrisch anspruchsvollen Stücken zusätzlich einen einfachen Kontroll-Loop bereitstellen:

    • Taktart,
    • Tempo,
    • Akzentstruktur,
    • Basspuls,
    • grundlegendes Brush- oder Drum-Pattern.

    Der spätere Music Generator hätte dann zwei mögliche Produktionswege:

    Freie Jazzproduktion
    → Prompt und Regiepartitur
    
    Metrisch präzise Jazzproduktion
    → Prompt, Regiepartitur und Audio-Loop

    Das wäre eine echte Erweiterung unserer bisherigen Studioarchitektur. Nicht weil Prompts plötzlich unwichtig werden, sondern weil Sprache allein nicht jede musikalische Information gleich gut transportiert.

    Ergebnis: Nicht bestanden – und gerade deshalb wichtig

    Test 4 hat sein Kernziel verfehlt. Kein Schönreden, kein nachträgliches Umdefinieren: Wir wollten einen Jazz-Walzer, und Suno lieferte keinen.

    Gleichzeitig haben wir gelernt:

    • Instrumentale Regie im Songtextfeld funktioniert.
    • Ausführliche Formanweisungen werden zuverlässig umgesetzt.
    • Getrennte längere Solorollen sind reproduzierbar.
    • Ein guter Song kann aus einem gescheiterten Test entstehen.
    • Für präzise Metrik benötigen wir möglicherweise erstmals mehr als einen Prompt.

    Genau deshalb gehören auch nicht bestandene Tests in „Behind the Music“. Kreative Zusammenarbeit besteht nicht nur aus Erfolgsgeschichten. Sie wird dort interessant, wo eine Annahme scheitert und das Studio daraufhin seine Arbeitsweise verändert.

    Oder anders gesagt:

    Wir wollten drei Schritte tanzen. Suno spielte etwas anderes. Jetzt bauen wir vielleicht zum ersten Mal selbst den Boden.

  • Drei Wege nach Hause: Wie aus einem Blues-Test fast zwei Alben wurden

    Drei Wege nach Hause: Wie aus einem Blues-Test fast zwei Alben wurden

    Kann Suno einen zurückhaltenden Midnight Blues spielen, ohne daraus am Ende doch Rock zu machen? Unser drittes Casting lieferte vier Songs, drei musikalische Richtungen – und möglicherweise die Idee für ein weiteres Album.

    Vom Jazzclub in die Bluesbar

    Das zweite Album von Friday Morning Music soll musikalisch eine neue Welt öffnen: Jazz, Swing, Blues und weitere jazzige Elemente. Bevor wir dafür unser virtuelles Studio und den Music-Generator-Workflow umbauen, testen wir systematisch, welche Rollen Suno v5.5 tatsächlich überzeugend übernehmen kann.

    Nach einer instrumentalen Jazzballade und einem Medium-Swing-Test war diesmal der Blues an der Reihe. Die zentrale Frage lautete:

    Kann Suno einen intimen akustischen 12-Bar-Blues mit glaubwürdigem Shuffle-Pocket, männlichem Bariton und Call-and-Response erzeugen, ohne in Bluesrock oder Soulrock abzudriften?

    Der Arbeitstitel war fast zwangsläufig: „The Long Way Home“.

    Der Versuchsaufbau

    Der Song sollte wie eine kleine Late-Night-Session klingen: warme, leicht raue männliche Stimme, Piano, Kontrabass, zurückhaltende Brushes und ein lyrisches Tenorsaxofon. Keine Rockdramaturgie, kein großes Gitarrensolo, kein Gospelchor und keine schweren Drums.

    Im Lyrics-Feld erhielt Suno eine ausführliche Form:

    • vier Takte instrumentales Intro,
    • mehrere klar bezeichnete 12-Bar-Blues-Chorusse,
    • kurze Antworten des Saxofons auf die Stimme,
    • ein vollständiger 12-taktiger Piano-Solo-Chorus,
    • ruhiges instrumentales Outro.

    Die Parameter blieben unverändert:

    Parameter Einstellung
    Modell Suno v5.5
    Weirdness 50 %
    Style Influence 50 %
    Ziel ungefähr 3 Minuten
    Anzahl vier Versionen aus zwei Generierungsläufen

    Viermal fast genau drei Minuten

    Die Formsteuerung funktionierte erneut bemerkenswert stabil:

    Version Laufzeit
    V1 2:59,83
    V2 3:02,11
    V3 2:59,35
    V4 2:59,47
    Durchschnitt 3:00,19

    Damit bestätigt sich unsere Erkenntnis aus dem vorherigen Swing-Test inzwischen auch genreübergreifend:

    Nicht die Textmenge entscheidet über die Songlänge. Eine konkrete musikalische Form im Lyrics-Feld kann Suno sehr zuverlässig zu einer vollständigen Drei-Minuten-Struktur führen.

    Die eigentliche Überraschung lag diesmal allerdings nicht in der Länge, sondern in dem, was Suno innerhalb dieser Form daraus machte.

    Ein Prompt, drei verschiedene Bluesräume

    V1 und V2 hielten sich weitgehend an die Bestellung. Beide klingen wie klassische, zurückhaltende Midnight-Blues-Versionen. V2 besitzt dabei ein besonders schönes Piano-Solo. Das Saxofon mischt sich stärker ein als erwartet, war allerdings nicht vollständig zum Schweigen verpflichtet: Es durfte im Prompt gelegentlich begleiten.

    V3 beginnt ebenfalls vergleichsweise brav und nah an unseren Vorgaben. Dann öffnet sich das Arrangement: Bläsersatz, E-Gitarre und Background Vocals kommen hinzu. Aus dem intimen Club-Blues entsteht eine sehr überzeugende Mischung aus Midnight Blues und einer größeren, dramatischeren Produktion.

    V4 geht noch weiter. Die Stimme ist rauchiger, das Saxofon ausgesprochen variantenreich und die Dramaturgie deutlich größer. Aus dem Late-Night-Blues wird beinahe ein Rock-Blues – obwohl E-Gitarre, Rock und große Steigerungen ausdrücklich ausgeschlossen waren.

    Richtung Versionen Charakter
    Midnight Blues V1 und V2 klassisch, intim, akustisch und kontrolliert
    Crossroads Blues V3 beginnt zurückhaltend und öffnet sich später zu Bläsern, E-Gitarre und Background Vocals
    Dramatic Rock-Blues V4 rauchiger, variantenreicher und stark dramaturgisch aufgebaut

    Das Interessante daran: Die vier Versionen entstanden mit identischem Prompt und identischen Parametern. Suno setzte also keine feste Partitur um, sondern interpretierte einen musikalischen Möglichkeitsraum.

    Hörlabor: Welche Richtung führt nach Hause?

    Hier sollen künftig nicht nur unsere Beschreibungen stehen. Die Leserinnen und Leser können die entscheidenden Ausschnitte selbst vergleichen.

    Hörbeispiel V4: Dramatic Rock-Blues

    Hörfrage: Ist das noch Jazz-Blues – oder bereits der Beginn eines ganz anderen Albums?

    Lernt Suno unseren Musikgeschmack?

    Da das Saxofon inzwischen ein fester Bestandteil unserer Musik-DNA ist, stellte sich zwangsläufig die Frage, ob Suno unsere Vorlieben aus früheren Produktionen übernimmt.

    Suno v5.5 besitzt mit „My Taste“ tatsächlich eine Personalisierungsfunktion, die unter anderem häufig verwendete Genres, Stimmungen sowie Hör- und Erstellungsgewohnheiten berücksichtigt. Laut Suno wirkt sie insbesondere bei der automatischen Erweiterung von Style-Beschreibungen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jeder manuell eingegebene Custom-Prompt unbemerkt mit der persönlichen Musikgeschichte vermischt wird. Suno: My Taste

    In unserem Test war die einfachere Erklärung naheliegender: Wir hatten das Saxofon ausdrücklich als Teil des Ensembles und als Antwort auf die Stimme vorgesehen. Dass es sich beteiligt, war also gewollt. Wie viel Raum es sich nimmt, blieb dagegen deutlich weniger kontrollierbar.

    Die E-Gitarre in V3 und V4 war eine echte Regelabweichung. Ob hier eine allgemeine Blues-Assoziation des Modells, persönliche Geschmacksdaten oder schlicht die normale Streuung der Generierung eine Rolle spielte, lässt sich aus diesem Test nicht sicher ableiten.

    Wie lässt sich das reproduzieren?

    Die exakten Songs können wir nicht verlässlich kopieren. Reproduzierbar werden können aber ihre musikalischen Korridore.

    Was in V3 und V4 zufällig geschah, müsste dafür beim nächsten Mal ausdrücklich Teil der Dramaturgie werden:

    Midnight Session

    Akustisches Quartett, zurückhaltender Bariton, Piano-Solo, Brushes, keine E-Gitarre, keine Background Vocals und keine große Schlusssteigerung.

    Crossroads Session

    Intimer akustischer Beginn; erst in der zweiten Hälfte eine kontrollierte Öffnung mit dezentem Bläsersatz, einzelnen cleanen E-Gitarren-Antworten und warmen Background Vocals.

    Dramatic Blues Session

    Kleiner atmosphärischer Beginn, anschließend bewusster Aufbau zu einem emotionalen Rock-Blues-Finale mit rauer Stimme, variantenreichem Saxofon und größerer Band.

    Für den späteren Workflow spricht das gegen einen einzigen starren Blues-Spezialisten. Sinnvoller wäre ein Bluesstudio mit drei auswählbaren Produktionsmodi – ergänzt um die Regel, dass eine ungeplante Abweichung nicht automatisch entfernt wird, wenn sie den Song musikalisch stärker macht.

    Vielleicht gehört der Midnight Blues gar nicht auf das Jazzalbum

    Während des Hörens entstand noch eine andere Idee: Vielleicht sollten die klassischen Midnight-Blues-Versionen gar nicht Teil des geplanten Jazzalbums werden.

    V1 und V2 besitzen eine eigene Qualität. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund, schaffen Atmosphäre und könnten als musikalische Begleitung durch einen ruhigen Abend funktionieren. Daraus könnte später ein eigenes Album entstehen: geschlossen, warm, unaufgeregt und bewusst weniger dramatisch.

    Das Jazzalbum dürfte dann freier bleiben: mit stärkeren Dialogen, überraschenden Instrumenten, Brüchen und improvisatorischer Entwicklung. Ein mögliches Midnight-Blues-Album hätte dagegen einen klaren Nutzen als zusammenhängender Klangraum.

    Noch ist das keine Produktionsentscheidung. Aber es ist genau die Art von Idee, für die wir diese Tests durchführen.

    Ergebnis: Test bestanden – und das Studio wird größer

    Prüffrage Ergebnis
    Stabile Drei-Minuten-Form Bestanden – vier von vier Versionen
    Glaubwürdiger klassischer Midnight Blues Bestanden – besonders V1 und V2
    Piano als improvisierendes Instrument Bestanden – besonders V2
    Stimme mit rauem Bluescharakter Teilweise – deutlich stärker in V3 und V4
    Vermeidung von E-Gitarre und Rockelementen Nicht zuverlässig bestanden
    Musikalische Qualität der Abweichungen Überraschend hoch
    Reproduzierbarkeit der drei Richtungen Als nächster Workflow-Schritt zu entwickeln

    Aus einem Test wurden damit drei Studios. Und möglicherweise aus einem geplanten Album irgendwann zwei.

    Jetzt interessiert uns die zusätzliche Perspektive aus dem Publikum:

    Welche Richtung würdet ihr weiterverfolgen – Midnight Blues, Crossroads Blues oder Dramatic Rock-Blues? Und ist eine unerlaubte E-Gitarre ein Produktionsfehler, wenn sie den Song besser macht?


    Behind the Music dokumentiert die Entwicklung von Friday Morning Music und die kreative Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI – mit Tests, Irrtümern, Korrekturen, überraschenden Studiogästen und Entscheidungen, die erst beim gemeinsamen Hören entstehen.

  • Jazz Casting, Runde 2: Wenn das Piano einfach mitspielt

    Jazz Casting, Runde 2: Wenn das Piano einfach mitspielt

    Kann Suno längere Jazz-Improvisationen – oder bleibt nach wenigen Takten schon wieder die Tür zum Club zu? Unser zweiter Test begann mit einem Fehlschluss und endete mit einer ausgesprochen produktiven Regelverletzung.

    Die offene Frage nach dem ersten Swing-Test

    Für das zweite Album von Friday Morning Music soll ein neues virtuelles Studio entstehen: nicht als umgebautes Rockstudio, sondern als eigene Besetzung für Jazz, Swing, Blues und verwandte Klangwelten.

    Im ersten Jazz-Casting hatte Suno v5.5 bereits gezeigt, dass es eine lyrische instrumentale Jazzballade mit Saxofon, Piano, Bass und Brushes überzeugend gestalten kann. Im nächsten Schritt wollten wir wissen, wie Suno mit einem kurzen Gesangstext umgeht. Die Idee dahinter war typisch Jazz: weniger Text, mehr Luft, die Stimme als Teil des Ensembles und zusätzlicher Raum für Improvisation.

    Das Ergebnis war zunächst ernüchternd. Obwohl eine Dauer von ungefähr drei Minuten vorgegeben war, blieben alle vier Versionen deutlich kürzer:

    Version Laufzeit
    V1 1:24,84
    V2 1:23,95
    V3 1:07,97
    V4 2:04,03

    V4 war musikalisch die stärkste Fassung: gutes Intro, längere Saxofonpassagen und ein schönes Duett am Ende. Trotzdem improvisierte im Wesentlichen nur das Saxofon; die übrigen Instrumente begleiteten.

    Die erste Vermutung lag nahe: Vielleicht kann Suno mit kurzen Lyrics keine längeren Songs bauen. Doch genau an dieser Stelle mussten wir unsere eigene Analyse korrigieren. Der Test hatte nur gezeigt, dass Suno die gewünschten Improvisationen in dieser Versuchsanordnung nicht geliefert hatte. Er hatte noch nicht beantwortet, ob Suno längere Improvisationen grundsätzlich erzeugen kann.

    Also brauchten wir keinen vorschnellen Umbau des Workflows, sondern einen saubereren Test.

    Der neue Versuchsaufbau

    Diesmal sollte möglichst genau eine offene Frage untersucht werden:

    Kann Suno v5.5 innerhalb eines Vocal-Jazz-Songs eine längere, zusammenhängende Saxofon-Improvisation entwickeln?

    Die musikalische Grundidee blieb erhalten: Medium Swing, kleines akustisches Ensemble, Piano, Kontrabass, Brushes und Tenorsaxofon. Der kurze Text von „Leave a Little Room“ blieb ebenfalls bestehen. Neu war eine ausführliche Formbeschreibung direkt im Lyrics-Feld:

    • acht Takte instrumentales Intro,
    • zwei kurze gesungene A-Teile,
    • ein ausdrücklich verlangtes Saxofonsolo über 32 Takte,
    • Rückkehr zum Gesang,
    • finales Wechselspiel zwischen Stimme und Saxofon,
    • acht Takte Outro.

    Als bewusste zusätzliche Variation kam erstmals eine warme weibliche Altstimme hinzu. Alle übrigen Parameter blieben unverändert:

    Parameter Einstellung
    Modell Suno v5.5
    Weirdness 50 %
    Style Influence 50 %
    Ziel ungefähr 3 Minuten
    Anzahl vier Versionen

    Piano, Bass und Brushes sollten ausdrücklich nur begleiten. Keine weiteren Soli. Zumindest stand es so im Plan.

    Vier Treffer bei der Songlänge

    Schon der objektive Vergleich war eindeutig:

    Version Laufzeit Abweichung von 3:00
    V1 2:59,40 −0,60 Sek.
    V2 2:56,81 −3,19 Sek.
    V3 2:58,27 −1,73 Sek.
    V4 2:57,89 −2,11 Sek.
    Durchschnitt 2:58,09 −1,91 Sek.

    Die vier Fassungen unterschieden sich nur um rund 2,6 Sekunden. Damit ist die erste Erkenntnis belastbar:

    Kurze Lyrics führen in Suno v5.5 nicht zwangsläufig zu kurzen Songs. Eine ausführliche musikalische Form im Lyrics-Feld kann die gewünschte Drei-Minuten-Struktur sehr zuverlässig herstellen.

    Eine bloße Zeitangabe im Style-Prompt hatte dafür nicht genügt. Erst die konkrete Folge aus Intro, Gesang, Solo, Rückkehr und Outro gab Suno offenbar eine Form, die das Modell musikalisch ausfüllen konnte.

    Kann Suno länger improvisieren?

    Auch die eigentliche Testfrage können wir im Grundsatz mit Ja beantworten. Die neuen Versionen enthalten deutlich längere Saxofonpassagen als die vorherigen Kurzfassungen. Die Improvisation ist nicht nur ein dekorativer Übergang, sondern erhält einen eigenen Abschnitt innerhalb des Songs.

    Wichtig bleibt die methodische Einschränkung: Wir haben die Takte nicht einzeln ausgezählt. Deshalb ist nicht bewiesen, dass Suno die verlangten 32 Takte formal exakt eingehalten hat. Nachgewiesen ist aber die musikalisch entscheidende Fähigkeit, einen deutlich längeren Improvisationsraum innerhalb einer stabilen Songform zu erzeugen.

    Die Stimme wird Teil des Ensembles

    V1 zeigte besonders schön eine weitere Idee unseres künftigen Jazzstudios. Die Sängerin transportiert nicht nur den Text. Ihre Stimme gibt musikalische Impulse, antwortet den Instrumenten und wird selbst zu einem Bestandteil des Arrangements. Dazu kommen starke Breaks und eine insgesamt stärker vokal geprägte Dramaturgie.

    Genau diese Rolle hatten wir uns für Gesang im Jazz vorgestellt: weniger starre Abfolge von Strophe und Refrain, mehr musikalische Kommunikation.

    Und dann kam das Piano

    In V2 tauchte erstmals ein Piano-Solo auf. Das war ausdrücklich verboten. Auch in V4 beteiligte sich das Piano stärker am Wechselspiel, als es der Prompt vorgesehen hatte.

    Aus Sicht der Prompttreue ist das ein Fehler. Aus musikalischer Sicht war es eine Bereicherung.

    V4 wurde nach dem ersten Hören zum Favoriten: überraschende Wendungen im Saxofonsolo, ein lebendiger Dialog zwischen Stimme, Saxofon und Piano sowie Drums, die mit Brushes angenehm unterstützend bleiben, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. V1 blieb als starke Alternative bestehen – mit präsenterer Stimme und besonders wirkungsvollen Breaks.

    Damit entstand der vielleicht wichtigste Satz dieses Castings:

    Suno hält sich nicht immer an die Besetzungsliste – aber manchmal ist genau der Musiker, der sich ungefragt einmischt, musikalisch eine Bereicherung.

    Warum uns das an unser Rockstudio erinnert

    Im Rock-Workflow hatten wir ein anderes Problem. Die spezialisierten Agenten arbeiteten so kontrolliert und führten die Ergebnisse so konsequent auf die Friday-Morning-Music-DNA zurück, dass Überraschungen teilweise verloren gingen. Deshalb entstand „Studio Jam“: ein virtueller Studiomusiker, der bewusst etwas Unerwartetes ausprobiert.

    Im Jazz scheint diese Offenheit schon stärker aus der Musikform selbst zu entstehen. Längere instrumentale Räume geben Suno offenbar die Erlaubnis, mehr Eigenleben zu entwickeln. Das ungeplante Piano ist damit nicht nur eine kuriose Abweichung, sondern ein Hinweis für die spätere Workflow-Architektur.

    Vielleicht muss die Musik-DNA künftig weniger wie ein Rezept und mehr wie ein Entscheidungsmaßstab wirken. Nicht jede neue Idee sollte am Ende wieder vollständig in das Bekannte zurückübersetzt werden.

    Die passendere Regel könnte lauten:

    Bewahre die charakteristischen Elemente unserer Musik-DNA, ohne produktive Überraschungen und musikalisch starke Regelabweichungen automatisch zu entfernen.

    Ergebnis: Test bestanden

    Prüffrage Ergebnis
    Erreicht Suno mit kurzem Text zuverlässig ungefähr drei Minuten? Bestanden – 4 von 4 Versionen
    Kann Suno längere Saxofon-Improvisationen erzeugen? Im Grundsatz bestanden
    Wurden exakt 32 Takte nachgewiesen? Noch nicht verifiziert
    Kann die Stimme als instrumentaler Bestandteil funktionieren? Bestanden
    Hält Suno die Solo-Rollen zuverlässig ein? Nicht bestanden
    War die Regelabweichung musikalisch interessant? Eindeutig ja

    Das Jazz-Casting hat damit nicht nur eine technische Frage beantwortet. Es hat uns daran erinnert, dass kreative Zusammenarbeit nicht allein aus möglichst genauer Befolgung von Anweisungen besteht.

    Manchmal ist ein Regelverstoß tatsächlich ein Fehler. Manchmal beginnt genau dort die Session.

    Und irgendwann bekommt auch der Drummer seinen eigenen Test. Versprochen.

    Und hier eine kleine Probe aus dem Casting:

  • Suno v5.5 im Jazz-Test: Das erste Casting für Friday Morning Music

    Suno v5.5 im Jazz-Test: Das erste Casting für Friday Morning Music

    Teaser: Für das zweite Album soll sich das virtuelle Studio von Friday Morning Music musikalisch vollständig neu aufstellen. Bevor wir dafür neue KI-Produzenten und Jazz-Spezialisten entwickeln, musste Suno v5.5 zum Casting antreten. Der erste Test: eine instrumentale Jazzballade mit viel Raum, feinen Brushes, einem lyrischen Saxofon und einem Motiv, das sich im Verlauf des Stücks weiterentwickelt.


    Das erste Album „Freedom“ ist veröffentlicht. Eigentlich wäre jetzt ein guter Moment, kurz durchzuatmen. Aber ein virtuelles Musikstudio kennt offenbar dieselbe Regel wie ein echtes: Nach dem Album ist vor dem Album.

    Das zweite Projekt soll musikalisch in eine völlig andere Richtung gehen. Statt Rock, Soul Rock, Funk und Dance Pop stehen diesmal Jazz, Swing, Blues und weitere jazzige Elemente im Mittelpunkt. Dafür können wir nicht einfach im bestehenden Music Generator den Begriff „Rock“ durch „Jazz“ ersetzen. Ein anderes Genre braucht andere Produzenten, andere Studiomusiker – und möglicherweise sogar eine andere Vorstellung davon, was ein Song überhaupt sein kann.

    Bevor wir aber unser virtuelles Studio umbauen, wollten wir eine grundlegende Frage beantworten:

    Wie gut kann Suno heute tatsächlich mit Jazz umgehen?

    Nicht nur mit dem Klangetikett „Jazz“, sondern mit den Dingen, die diese Musik interessant machen: Raum, Zurückhaltung, musikalisches Zuhören, Motiventwicklung und das Gespräch zwischen Instrumenten.

    Der erste Casting-Auftrag

    Für den ersten Test wählten wir bewusst keine Big Band, keinen komplizierten Takt und keinen virtuosen Bebop. Die Aufgabe sollte überschaubar sein und trotzdem zeigen, ob Suno musikalische Beziehungen versteht.

    Gesucht wurde eine intime instrumentale Jazzballade bei ungefähr 68 BPM. Die Besetzung: Tenorsaxofon, Flügel, Kontrabass und zurückhaltend gespielte Brushes. Das Saxofon sollte ein einfaches Vier-Ton-Motiv vorstellen. Das Piano sollte darauf antworten. Anschließend sollte das Ensemble dieses Motiv behutsam verändern, bevor es am Ende in reduzierter Form zurückkehrt.

    Der auf 1.000 Zeichen optimierte Style-Prompt lautete:

    Instrumental contemporary jazz ballad, approx. 68 BPM. Intimate acoustic quartet: warm lyrical tenor saxophone, grand piano, upright bass and softly brushed drums. Spacious natural studio sound, human timing, restrained dynamics and plenty of silence between phrases. Begin with a short rubato piano intro. Tenor sax introduces a simple, memorable four-note motif; piano answers gently. Develop and vary the motif through subtle harmonic changes, melodic fragments and quiet ensemble conversation. Build gradually without becoming loud: intimate opening, gentle development, expressive but controlled sax improvisation, sparse piano reflection, then a reduced return of the original motif. End quietly and slightly unresolved with piano, bass and one final soft sax phrase. Brushes remain delicate throughout. Warm acoustic sound, elegant restraint, musicians listening and responding. No dramatic climax, dense arrangement, virtuoso display, smooth-jazz gloss or pop structure.

    Zusätzlich wurden Vocals, Scat, Streicher, Synthesizer, elektronische Drums, Smooth Jazz, Poprefrains und cineastische Klangsteigerungen ausgeschlossen.

    Die Testbedingungen blieben bei allen vier Generationen identisch:

    • Modell: Suno v5.5
    • Songmodus: Instrumental
    • Weirdness: 50 Prozent
    • Stileinfluss: 50 Prozent
    • Prompt und Exclude-Feld: unverändert
    • Nachbearbeitung: keine

    Damit wollten wir nicht die schönste Zufallsversion finden, sondern beobachten, wie zuverlässig Suno denselben Auftrag viermal interpretiert.

    Viermal derselbe Auftrag – vier unterschiedliche Gespräche

    Alle vier Stücke erhielten den Arbeitstitel „Quiet Conversation“. Und tatsächlich klangen sie wie Mitglieder derselben musikalischen Familie. Das Tempo war langsam, die Stimmung warm und nachdenklich, das Tenorsaxofon melodisch und kontrolliert. Keine Version rutschte in Pop, orchestrale Filmmusik oder überpolierten Smooth Jazz ab.

    Trotzdem unterschieden sich die Ergebnisse deutlich.

    Version Länge Charakter Bewertung
    Quiet Conversation 1 3:35 emotional geschlossen, starker Dialog zwischen Saxofon und Piano 42/50
    Quiet Conversation 2 3:08 kompakter, lauter und stärker ausproduziert 36/50
    Quiet Conversation 3 3:08 offen, fragil und am stärksten improvisatorisch 42/50
    Quiet Conversation 4 2:19 zurückhaltend und stimmig, aber kürzer entwickelt 40/50

    Die Spannweite der Länge allein war bemerkenswert: Bei identischen Einstellungen entstanden Stücke zwischen 2:19 und 3:35 Minuten. Auch Dynamik, Raumgefühl und Intensitätsverlauf variierten deutlich.

    Was Suno zuverlässig verstanden hat

    Das erste Ergebnis ist klar: Suno v5.5 kann eine instrumentale Jazzballade überzeugend erzeugen.

    Über alle vier Versionen hinweg funktionierten besonders gut:

    • die akustische Quartettanmutung,
    • das langsame Tempo,
    • die zurückhaltenden Brushes,
    • das warme, lyrische Tenorsaxofon,
    • die nachdenkliche Atmosphäre,
    • der Verzicht auf Popstruktur und großen Showeffekt,
    • ein kontrollierter, meist ruhiger Ausklang.

    Vor allem das Saxofon bestand das Casting beinahe sofort. Es klang in allen vier Fassungen wie ein emotionaler Erzähler und nicht wie ein Instrument, das nur möglichst viele Töne unterbringen möchte.

    Wo aus einer Anweisung eine Anregung wurde

    Schwieriger waren die kompositorischen Details.

    Alle vier Fassungen besaßen eine erkennbare melodische Idee. Das ausdrücklich verlangte Vier-Ton-Motiv wurde aber nicht so eindeutig vorgestellt, zerlegt, verändert und später wieder zusammengesetzt, wie es ein menschlicher Arrangeur vermutlich geplant hätte. Suno verstand die Vorgabe eher als Wunsch nach einem prägnanten melodischen Ausgangspunkt.

    Auch die beschriebene Abfolge – Rubato-Piano, Saxofonmotiv, Entwicklung, Improvisation, Pianoreflexion und reduzierte Rückkehr – wurde nicht wie ein verbindlicher Bauplan ausgeführt. Sie wirkte eher als dramaturgische Inspiration.

    Das führt zu einer ersten belastbaren Erkenntnis:

    Klangliche Eigenschaften setzt Suno v5.5 relativ zuverlässig um. Musikalische Beziehungen und konkrete Formvorgaben interpretiert es deutlich freier.

    Oder etwas weniger technisch formuliert: Suno versteht sehr gut, wie eine leise Jazzballade klingen soll. Ob die Musiker dabei genau in der vereinbarten Reihenfolge miteinander sprechen, entscheidet das Modell weiterhin selbst.

    Dann widersprach der Mensch der KI

    Auch unsere gemeinsame Bewertung wurde Teil des Experiments.

    In der ersten Analyse erhielt Version 1 zunächst 39 von 50 Punkten. Die KI bewertete den Dialog zwischen Saxofon und Piano, die Dramaturgie und die emotionale Wirkung etwas zurückhaltender. Markus hörte dagegen gerade in diesen Punkten eine klare musikalische Unterhaltung und einen sehr ansprechenden Spannungsbogen.

    Nach der gemeinsamen Diskussion wurde die Bewertung auf 42 Punkte korrigiert.

    Das war kein Fehler im Test, sondern vielleicht dessen wichtigster Moment. Technische Analyse kann Dynamik, Tempo, Lautheit und strukturelle Veränderungen sichtbar machen. Sie kann auch prüfen, ob eine Anweisung wahrscheinlich umgesetzt wurde. Was sie nicht abschließend bestimmen kann, ist die persönliche Bedeutung einer Aufnahme.

    Deshalb unterscheiden wir künftig zwei Perspektiven:

    1. Analytische Bewertung: Prompttreue, Form, Dynamik, Instrumentierung und technische Eigenschaften.
    2. Künstlerische Bewertung: emotionale Wirkung, musikalisches Gespräch und persönliche Resonanz.

    Die KI darf analysieren, begründen und auch widersprechen. Die künstlerische Entscheidung bleibt beim Menschen.

    Hat die erste Jazz-Signature das Casting bestanden?

    Ja.

    Eine Instrumental Jazz Ballad Signature wird voraussichtlich Teil des neuen virtuellen Jazzstudios. Ihre belastbare musikalische DNA könnte so aussehen:

    • intimes akustisches Jazzquartett,
    • lyrisches Tenorsaxofon als emotionaler Erzähler,
    • Piano, Kontrabass und Brushes,
    • langsames Tempo zwischen etwa 64 und 72 BPM,
    • natürliche Dynamik und zurückhaltende Produktion,
    • keine Popstruktur,
    • kein dramatischer Höhepunkt,
    • ruhiges Zusammenspiel,
    • behutsame thematische Entwicklung,
    • nachdenkliches, leicht offenes Ende.

    Das exakt definierte Vier-Ton-Motiv und eine feste Abschnittsfolge werden dagegen keine unverrückbaren Regeln. Sie bleiben songbezogene Wünsche, deren Umsetzung geprüft und gegebenenfalls in einer weiteren Produktionsrunde bearbeitet wird.

    Unser erstes Learning aus dem Jazzstudio

    Das neue Studio hat noch keine fertige Besetzung. Aber der erste Musiker darf vermutlich bleiben.

    Suno bestand die Rolle des Saxofonisten sofort. Schwieriger war die Regieanweisung, zwischen den Tönen auch wirklich nichts zu spielen.

    Und genau deshalb führen wir dieses Casting durch, bevor wir neue Workflows und KI-Spezialisten bauen. Nicht jede theoretisch gute Idee funktioniert musikalisch. Nicht jede Promptanweisung wird zur verbindlichen Komposition. Und nicht jede messbare Abweichung macht ein Stück schlechter.

    Die nächste Casting-Runde wird zeigen, ob Suno auch einen Medium Swing mit kurzem Text glaubwürdig umsetzen kann – ohne daraus einen Popsong im Retro-Anzug zu machen.

    Das Jazzstudio ist eröffnet.

  • No More Silence

    No More Silence

    No More Silence erzählt von Menschen, die nicht länger zuschauen, sondern gemeinsam den ersten Schritt machen. Es geht um Mut, Zusammenhalt und die Entscheidung, die eigene Stimme zu erheben, auch wenn der Weg nicht einfach ist. Kein Song über große Helden, sondern über viele kleine Schritte, die gemeinsam etwas bewegen.

    Eigentlich war der Song bereits fertig. Kraftvolle Gitarren, treibender Rhythmus und ein Refrain, der nach vorne geht.

    Dann kam der Studio Jam.

    Sein einziger Impuls: „Probiert doch einmal eine Mundharmonika.“

    Eine Idee, auf die zuvor niemand gekommen war. Und plötzlich bekam der Song eine zusätzliche Seele. Die Mundharmonika spielt nicht gegen die Gitarren – sie erzählt ihre eigene Geschichte und verleiht No More Silence genau den überraschenden Charakter, den man nicht planen kann.

    Manchmal braucht ein guter Song eben nur einen einzigen mutigen Einfall

  • Wenn Musik zu perfekt wird

    Wenn Musik zu perfekt wird

    In den letzten Wochen haben wir unseren Music Generator immer weiter verbessert. Das Ergebnis hat uns überrascht. Die Songs wurden richtig gut, vielleicht sogar zu gut.

    Jede Geschichte wurde musikalisch sauber umgesetzt. Tempo, Instrumentierung, Dramaturgie – alles passte. Die KI machte genau das, was wir ihr gesagt hatten.

    Und genau das wurde plötzlich zum Problem.

    Denn wenn man Musiker fragt, wie ihre besten Songs entstanden sind, erzählen sie selten von einem perfekten Plan. Sie erzählen von einer Probe, von einer Jam Session. Von diesem einen Moment, in dem plötzlich jemand etwas völlig Unerwartetes ausprobiert:

     -Der Gitarrist spielt ein anderes Riff.

     -Der Schlagzeuger setzt einen Break an einer Stelle, an der niemand damit rechnet.

    – Der Saxophonist übernimmt plötzlich die Melodie.

    Oder nach dem letzten Refrain wird es für einen Takt ganz still. Niemand hatte das geplant. Aber plötzlich schaut sich die Band an. „Das war’s.“ Genau dieser Moment hat unserem virtuellen Tonstudio bisher gefehlt.

    Deshalb haben wir heute einen neuen Raum eröffnet: Studio Jam

    Der Studio Jam bewertet den Song nicht. Er verbessert ihn auch nicht. Er schreibt ihn nicht neu. Er macht einfach das, was Musiker in einer Band tun. Er probiert etwas aus. Vielleicht schlägt er einen überraschenden Break vor. Vielleicht beginnt der letzte Refrain plötzlich mit völliger Stille. Vielleicht fällt ihm aber auch gar nichts ein. Dann bleibt der Song unverändert. Und genau das ist völlig in Ordnung. Denn nicht jeder Song braucht eine Überraschung. Aber manche Songs bekommen genau dadurch ihren unverwechselbaren Charakter.

    Das Schönste daran: Wir produzieren den Song jetzt nicht mehr nur einmal. Wir nehmen einen weiteren Take auf. Den Original-Take. Und den Jam-Take. Erst danach hören wir beide Versionen an und entscheiden gemeinsam, welche auf das Album kommt. So entsteht Musik seit Jahrzehnten. Warum sollte es in einem virtuellen Tonstudio anders sein?

  • Warum vier Produzenten besser sind als einer

    Warum vier Produzenten besser sind als einer

    Wenn man Menschen fragt, wie Musik entsteht, lautet die Antwort oft: Jemand hat eine Idee, schreibt einen Song und produziert ihn.

    Bei Friday Morning Music haben wir festgestellt: So einfach ist es nicht.

    Denn dieselbe Songidee kann völlig unterschiedlich klingen – je nachdem, wer sie interpretiert.

    Nehmen wir einen einfachen Gedanken:

    „Glaube an dich. Die Zukunft gehört dir.“

    Ein Rock-Produzent hört darin Aufbruch, Energie und Gitarren.

    Ein Soul-Produzent hört Hoffnung, Emotion und menschliche Nähe.

    Ein Funk-Produzent denkt an Groove, Bewegung und Lebensfreude.

    Ein DancePop-Produzent hört sofort den großen Refrain, der Menschen zum Mitsingen bringt.

    Die Idee bleibt dieselbe. Die musikalische Perspektive verändert alles.

    Genau deshalb arbeiten wir bei Friday Morning Music inzwischen nicht mehr mit einer einzelnen KI, sondern mit vier unterschiedlichen musikalischen Persönlichkeiten.

    Rock V3 steht für Energie, Gitarren und Vorwärtsbewegung.

    Soul Rock V1 bringt Emotion, Tiefe und menschliche Wärme.

    Funk V2 lebt von Groove, Bläsern, Saxophon und positiver Bewegung.

    DancePop V1 konzentriert sich auf starke Hooks, moderne Produktionen und Songs, die direkt ins Ohr gehen.

    Spannend wird es, wenn alle vier dieselbe Songidee erhalten. Plötzlich entstehen vier unterschiedliche Interpretationen derselben Geschichte.

    Keiner der Produzenten hat dabei automatisch recht oder unrecht. Sie betrachten dieselbe Idee lediglich aus einem anderen Blickwinkel.

    Genau das macht Musik interessant.

    In den vergangenen Wochen haben wir viel Zeit damit verbracht, diesen Produzenten eigene Persönlichkeiten, Vorlieben und musikalische Gewohnheiten beizubringen. Sie haben gelernt, Entscheidungen zu treffen, Schwerpunkte zu setzen und Songs unterschiedlich zu interpretieren.

    Heute können wir beobachten, wie die Produzenten miteinander konkurrieren. Manchmal gewinnt Rock. Manchmal Funk. Manchmal überrascht uns DancePop.

    Und genau dann wird es spannend.

    Denn aus einer technischen Spielerei entsteht langsam etwas, das sich immer mehr wie eine echte Band anfühlt.

    Nicht eine KI.

    Vier Produzenten.

    Vier Perspektiven.

    Und immer wieder neue Musik.

  • Wie aus Prompts Bandmitglieder wurden

    Wie aus Prompts Bandmitglieder wurden

    Als Friday Morning Music gestartet ist, war die Idee eigentlich ganz einfach:

    Ein Songthema hinein, einen KI-Song heraus.

    Doch ziemlich schnell zeigte sich ein Problem: Die Songs klangen zwar gut, aber sie hatten keine eigene Persönlichkeit. Mal war der Rocksong etwas poppig, mal verschwand das Saxophon, mal klang alles plötzlich wie ein Live-Konzert.

    Also begannen wir zu experimentieren.

    Zunächst entstanden einfache Stilbeschreibungen. Doch je mehr Songs wir produzierten, desto deutlicher wurde: Ein guter Song braucht mehr als ein Genre. Er braucht einen Charakter.

    Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee der Signature Specialists.

    Jeder Specialist besitzt eine eigene musikalische DNA. Rock V3 denkt in Gitarrenriffs, Hooks und klaren Studio-Produktionen. Soul Rock V1 erzählt Geschichten zwischen Stimme und Saxophon und liebt den Weg vom leisen Anfang zum emotionalen Höhepunkt. Funk V2 lebt für Groove, Bläser und Spielfreude. Weitere Mitglieder der Band folgen.

    Das Besondere: Die Specialists lernen.

    Nach jedem Song wird analysiert, was funktioniert hat und was nicht. Diese Erkenntnisse werden als Learnings gespeichert und fließen in zukünftige Produktionen ein. So entwickelt sich jede Signature Schritt für Schritt weiter.

    Inzwischen entsteht nicht mehr einfach Musik mit KI.

    Es entsteht eine virtuelle Band mit eigenen Persönlichkeiten, Vorlieben und Erfahrungen.

    Und genau das macht Friday Morning Music für uns so spannend: Nicht nur die Songs, sondern auch die Reise dorthin.