Die Band öffnet den Raum
Aus einer vorsichtigen Unterhaltung zwischen Piano und Saxofon ist nach und nach eine ganze Band entstanden. Neue Instrumente kamen hinzu, Stimmen begegneten sich, Musiker hörten einander zu – und aus einzelnen Gesprächen entwickelte sich ein gemeinsamer Klang. In Every Direction zeigt diesen Klang erstmals in einer größeren Besetzung: Saxofone, Trompete, Posaune, Piano, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug greifen ein gemeinsames Motiv auf, geben es weiter und verändern es. Mal antworten sie einander, mal unterbrechen sie sich, mal spielen mehrere Gedanken gleichzeitig. Selbst der Schlagzeuger, der sich bisher meist zurückhaltend im Hintergrund bewegte, meldet sich mit einem kurzen eigenen Beitrag. Die Musik bewegt sich dabei tatsächlich in viele Richtungen – und bleibt trotzdem zusammen.
Eine Preview, kein endgültiger Album-Take
Diese Veröffentlichung ist ein besonderer Blick in die laufende Produktion unseres neuen Jazzalbums Encounters. Die hier veröffentlichte Version besitzt eine außergewöhnlich geschlossene, warme und unmittelbar zugängliche Ensemblewirkung. Sie klingt bereits wie eine Band, die gemeinsam auf der Bühne steht und den neu gewonnenen Raum genießt. Gerade diese musikalische Rundheit macht sie zu einer starken eigenständigen Fassung. Für das Album experimentieren wir gleichzeitig mit einer offeneren und kantigeren Interpretation: mehr Reibung, größere Freiräume und eine weibliche Stimme, die nicht als klassische Sängerin, sondern als improvisierendes Instrument in das Ensemble eintritt. Deshalb ist diese Preview kein verworfener Entwurf und auch keine bloße Zwischenstufe. Sie ist eine eigene Perspektive auf das Stück: der Moment, in dem die Band zum ersten Mal gemeinsam losgelassen wird.
Mensch und KI im musikalischen Dialog
Auch In Every Direction entsteht aus der Zusammenarbeit zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz. Die KI erzeugt musikalische Möglichkeiten – manchmal überraschend, manchmal zu glatt, manchmal ganz anders als vorgesehen. Der menschliche Anteil liegt im Konzept, in der musikalischen Regie, im aufmerksamen Hören und vor allem in der Entscheidung, welche Version eine glaubwürdige Geschichte erzählt. Die musikalische Identität entsteht dabei nicht in einem einzelnen Prompt. Sie entwickelt sich durch Ausprobieren, Vergleichen und Verwerfen – und durch die bewusste Entscheidung, ungewöhnlich starke Varianten auch außerhalb des Albums hörbar zu machen.
In Every Direction – Ensemble Preview ist eine Momentaufnahme dieses Prozesses: Die Band ist noch nicht am Ziel. Aber sie hat begonnen, sich frei zu bewegen.





